16.09.2020 10:38

Sicherer Raum für gefährdete Menschen

Geriatrie geht offensiv mit Corona-Ängsten um


„Wir dürfen uns nicht durch die Angst vor Corona lähmen lassen, sondern müssen alles dafür tun, um sichere Bedingungen für die Versorgung unserer Patienten zu schaffen“, sagt Dr. Holger Gespers. Er ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Altersmedizin am Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel und trägt die Verantwortung für den Bereich Geriatrie. Ihm bereitet es Sorgen, dass ältere Patienten und auch ihre Angehörigen Angst vor einem stationären Aufenthalt haben. „Dabei ist es gerade für ältere Patienten wichtig, dass akute gesundheitliche Probleme nicht missachtet werden und sich auch kognitive Beeinträchtigungen nicht noch weiter verstärken“, warnt der Mediziner.

Alle Patientinnen und Patienten, die stationär in der Geriatrie aufgenommen werden, weisen ein negatives Testergebnis auf. Das ist ebenso Teil der festen Corona-Regeln des EvK wie die Einhaltung der Maskenpflicht und strenge Hygienevorgaben. So findet das Essen nicht mehr wie sonst in einem großen gemeinsamem Essensraum statt. Trotzdem ist es dem Team möglich, im Schatten von Corona menschlichen Kontakt zu den Patienten aufzubauen und eine gute medizinische Versorgung zu bieten.

„Das gelingt uns auch unter Einhaltung der Maskenpflicht“, betont der Chefarzt. Eine persönliche Verbindung lässt sich ebenfalls in den therapeutischen Gruppen herstellen, die stets unter Beachtung der Abstandsregeln zusammentreffen. Gerade für kognitiv beeinträchtigte Menschen ist die Gruppenarbeit ein wichtiger Faktor. Denn je größer die soziale Isolation, desto ausgeprägter die Zunahme depressiver Tendenzen.

Wichtiger Bestandteil der Arbeit in der Geriatrie ist auch die Einbeziehung der Angehörigen. Groß ist die Sorge vieler Familienangehörigen, den alten Menschen durch Corona zu infizieren, so dass manchmal überhaupt kein persönlicher Kontakt stattfindet. Hier sieht sich die Geriatrie in der Pflicht, wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten, die Angehörigen zu informieren, wie und unter welchen Bedingungen Nähe zu den Eltern oder Großeltern ohne Gefahr stattfinden kann. Auch im Krankenhaus sind Besuche möglich: ein Besucher pro Tag pro Patient - nach Terminvergabe, Registrierung und unter Einhaltung der Corona-Regeln.

„Für die gesamte Ev. Krankenhausgemeinschaft gilt ein umfangreiches Hygienekonzept, das stets den aktuellen Vorgaben des Robert-Koch-Instituts angepasst wird. Insgesamt ist also weiterhin eine sichere Versorgung unserer Patienten möglich“, betont Dr. Holger Gespers. Das gilt auch nach dem stationären Aufenthalt. Da das EvK Teil des EVR-Netzwerks Geriatrie ist, kann mit den jeweiligen Kooperationspartnern abgesprochen werden, wie unter Einhaltung aller Corona-Regeln eine Weiterversorgung aussehen kann.





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